Interview mit Janette Oke

Interview mit Janette Oke

Wie sind Sie auf die Geschichte dieser ersten Romanreihe gekommen?

Janette Oke: „Die Idee dazu lieferte die Geschichte meiner Vorväter, die nach Kanada ausgewandert sind. Eines der Güterschiffe, das im Herbst hätte ankommen sollen, hat das Land leider nicht erreicht. Ohne die Waren, die das Schiff hätte liefern sollen, konnten viele Menschen den harten Winter nicht überleben. Als Folge entstanden so genannte Vernunftehen. Familien schlossen sich zusammen und gründeten neue Familienverbunde, um zu überleben. Die Grundfrage, die auch der Roman stellt, lautet: Was passiert, wenn jemand in einer schweren Situation eine solche Heirat eingehen muss, um zu überleben?

„Da ist Marty, die im Westen völlig auf sich allein gestellt ist und der junge Farmer Clark, der ebenfalls seine Frau verloren hat. Das ist das, was man eine Vernunftehe nennt. Der Prozess, in der sich die Liebe zwischen den beiden entwickelt, dauert seine Zeit, und geschieht auf eine andere Art, wie die meisten anderen Liebesbeziehungen zustande kommen. Aber er zeigt, dass sich Liebe auf verschiedene Weisen entwickeln kann. Der Schlüssel dazu ist ihre Verpflichtung.“

                                                                                           

Warum dauert es so lange, bis Marty diese Verpflichtung erkennt und wie kann Clark so geduldig mit ihr sein?

Janette Oke: „Marty hat den Tod ihres ersten Mannes, Aaron, noch lange nicht überwunden, als Clark ihr das Angebot unterbreitet, sie zur Frau zu nehmen. Clark hatte im Gegensatz dazu etwas mehr Zeit, den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Trotzdem kann er sich gut an den Schmerz des Verlustes erinnern und deshalb der jungen Witwe nicht den Rücken zukehren und sie im Stich lassen.“

 

Tragen diese Charaktere Züge von Menschen, die Ihnen bekannt sind?

Janette Oke: „Viele fragen mich immer wieder nach Person Clark. Ich denke, er spiegelt ein Stück weit meinen Vater wider, teilweise auch meinen Ehemann und zu kleinen Teilen Michael Landon Sr.“

 

Wie ist es zu erklären, dass zwischen Marty und Clark tatsächlich Liebe entsteht?

Janette Oke: „Ich denke, für Clark war es nicht schwierig, sich in Marty zu verlieben. Deutlich schwieriger war es für Marty. Was schließlich ihr Herz erobert hat, war die Tatsache, dass Clark bereit war, seine eigenen Wünsche zurückzustellen, um sich um sie zu kümmern. Es war sein mitfühlendes Herz, das sie überzeugen konnte. Ich denke, es ist vermutlich schon früher passiert, als sie es eingestanden hatte.“

 

War es schwierig, die Romanreihe zu schreiben?

Janette Oke: Ich war noch ganz am Anfang, als ich begann, dieses Buch zu schreiben. Deshalb habe ich mir viel Zeit genommen, die Charaktere leben zu lassen, bevor ich zu schreiben anfing. Ich kannte jeden Einzelnen sehr gut. Als ich mich dann wirklich an das Schreiben hatte, lag der erste Entwurf innerhalb von drei Wochen fertig vor mir. Zu dieser Zeit habe ich ganztags gearbeitet und nebenher vier Teenager großgezogen. Das bedeutete, morgens ein paar Minuten zu schreiben und dann zur Arbeit zu gehen. Daran, sich den ganzen Tag Zeit zum Schreiben zu nehmen, war nicht zu denken.“

 

Bei der ersten Geschichte blieb es nicht…

Janette Oke: Als der erste Roman fertig gestellt war, hatte ich nicht die Absicht, eine Fortsetzung zu schreiben. Die Leser wollten jedoch wissen, wie die Geschichte weiterging und so führte ich sie weiter. Letztlich wurde die Geschichte zu einer Serie von acht Bänden, welche später zu weiteren vier anderen Geschichten geführt hat. Die späteren Folgen erzählen die Geschichte von Martys und Clarks Enkelkindern.“

 

Gibt es ein Thema, das in all Ihren Geschichte eine zentrale Rolle spielt?

Janette Oke: „Definitiv. Der Glaube ist ein wichtiger Bestandteil meines eigenen Lebens und so auch in meinen Büchern. Zudem auch das Thema Liebe. Wenn ich von Liebe spreche, dann meine ich die ganze Vielfalt der Liebe, nicht nur Romantik. Romantik ist ein wichtiger Bestandteil von Liebe, aber Liebe selbst ist so viel mehr als das (…). Ich denke, Glaube und Liebe sind grundsätzlich eng miteinander verbunden.“

 

In welcher Weise unterscheidet sich Marty von anderen Heldinnen?

Janette Oke: „Vieles hat mit ihren Umständen zu tun. Wie viele andere Frauen ist sie nicht deshalb in den Westen gezogen, um Abenteuer zu erleben. Sie haben sich den Männern, die sie geliebt haben, angeschlossen. Martys Ehemann hatte diesen großen Traum, etwas Neues zu beginnen und weil sie ihn über alles geliebt hat, ist sie seinem Traum gefolgt. Aber als sie mit ihm in die Welt hinausging und ihn verlor, geriet sie in eine äußerst schwierige Situation. Sie hatte kein Geld, keine Möglichkeit nach Hause zu kommen und niemanden, den sie gekannt hätte. Ohne die notwendigen Fertigkeiten und ohne Mittel zum Aufbau einer Existenzgrundlage gab es nicht viele Möglichkeiten.(…) Glücklicherweise ist Clark aufgetreten… Was Marty jedoch von anderen unterscheidet, ist ihre Entschlossenheit zu handeln und ihre starkes Selbstwertgefühl. Sie entscheidet sich, ihre Last zu tragen. Ihre Charakterstärke trägt sie durch ihre Trauer, und schlussendlich öffnet sich ihr Herz für ihre Ziehtochter und einen neuen Ehemann. „

 

Hatten sie irgendwelche Bedenken, als sie erfahren haben dass Ihre Geschichten verfilmt werden sollen?

Janette Oke: Über die Jahre hatte ich vielerlei Bedenken, was die Überarbeitung anging. Aber als ich hörte, dass Michael Landon Jr. das Drehbuch schreiben, die Regie führen und Co-Produzent sein würde, hatte ich keine Zweifel mehr. Ich hatte festen Glauben, dass er es gut machen würde.“

 

Hat diese Geschichte einen besonderen Platz in ihrem Herzen?

Janette Oke: „Das hat sie. Man fängt an, die Charaktere kennenzulernen und schreibt über sie, als wären sie Freunde. Man begibt sich mit ihnen auf eine über Jahre andauernde Reise und teilt alle emotionalen Momente. Als Autor/in erfährt und fühlt man alles. Sie sind wie eine Art Kinder. Sie haben Alle spezielle Eigenschaften.“